Textilproduktion in Portugal: Qualität vor Quantität

Warum stetig mehr europäische Modelabel ihre Textilien in Portugal produzieren.

Inhalt

  1. Historie der Textilproduktion in Portugal
  2. Besonderheiten von Portugal als Herstellungsstandort
  3. „Sustainable Fashion from Portugal“
  4. Unterschiede zur Textilproduktion in anderen Ländern
  5. Brands die in Portugal produzieren

Historie der Textilproduktion in Portugal

„Made in Portugal“ – ein Zertifikat, das für eine europäische Herstellung steht und global als qualitativ hochwertig gilt. Aber warum wurde gerade die Textilproduktion in Portugal in den letzten Jahren immer wertvoller? Wir haben in diesem Beitrag einige Antworten auf diese Frage zusammengestellt.

Das kleine Land im Westen Europas ist aufgrund seiner geographischen Lage und vieler Sonnenstunden bekannt für seine Strände, Weine und diverse Spezialitäten. Zudem ist es ein wichtiger Exporteur in der Modewelt. Ein Großteil der portugiesischen Umsätze werden heute durch die dortige Textilindustrie erwirtschaftet, darunter zunehmend durch sogenannte technische Textilien. Für Deutschland war das Land trotz der vergleichsweise kleinen Größe 2021 eines der wichtigsten Herkunftsländer der Textil- und Bekleidungsindustrie. Das war jedoch nicht immer so. Historisch gesehen war Portugal selbst innerhalb Europas, als Folge seiner westlichen Lage, lange isoliert. Als einer der Versuche, sich dagegen zu wehren und die Wirtschaft umzustrukturieren, wurde im 18. Jahrhundert unter anderem die königliche Seidenmanufaktur eingerichtet. Was daraufhin folgte, ist eine Erfolgsgeschichte mit Höhen und Tiefen.

Als Folge der Weltwirtschaftskrise 2009 musste Portugal innerhalb von knapp 10 Jahren 14,8% Prozent seiner Textilfabriken schliessen. Investitionen in Spitzentechnologien halfen dem Land seine Exporte um 51,8% zu steigern und eine Export-Bilanz von +7% erreichen zu können. Im Jahr 2020 stieg der Umsatz pro Mitarbeiter schließlich um 17 Prozent. Für die Modeindustrie ist Portugal heute ein essentieller Bestandteil mit mehr als 12.000 Unternehmen und über 130.000 Beschäftigten.

Besonderheiten von Portugal als Herstellungsstandort

Die Beliebtheit von Portugal als Produktionsstandort steht außer Frage, aber was ist es, dass das Land neben seiner Entwicklung für Marken so attraktiv macht? Die Antwort besteht aus einer Reihe an Faktoren. Angefangen von Grundsätzen, wie das internationale Arbeitsrecht, welches von lokale Arbeitsstätten respektieren wird, bis hin zum Fakt, dass Textilarbeiter gewerkschaftlich organisiert werden. Der portugiesische Verband für Textil- und Bekleidungsindustrie ATP vertritt mehr als 500 Unternehmen des Sektors und schafft somit eine gewisse Sicherheit auch für kleinere Hersteller. Zudem bietet das Textilmagazin TJornal International eine übergreifende Plattform für die Branche. In erster Linie werden hier nachhaltige und faire Trends der Textilproduktion in Portugal thematisiert.

Textilproduktion in Portugal

Sustainable Fashion from Portugal

Das Projekt „Sustainable Fashion from Portugal“ beschäftigt sich genau mit dieser Mission und hat eine Reihe an Zielen. Vor allem geht es aber darum, die Präsenz der portugiesischen TCI auf den Märkten, die in Sachen Nachhaltigkeit und Innovation führend sind zu stärken. Das wären vorwiegend Deutschland, Schweden, Dänemark und Spanien.

Ganz weit vorne in den Zielen der portugiesischen Initiative stehen Anpassung und Digitalisierung der Kommunikations- und Marketingprozesse der portugiesischen TCI, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Da dieses ein größeres Bewusstsein für ökologische und soziale Themen aufweist, das wiederum Kaufentscheidungen und Empfehlungen für bestimmte Produkte stark beeinflusst. Zudem werden KMU-Produzenten sowie wichtige Entscheidungsträger und Investoren des Sektors durch Workshops und Veranstaltungen zusammengebracht, um Aktionslinien für den künftigen Erfolg des Sektors in Portugal festzulegen und seine internationale Anerkennung zu steigern. ATP Kontakte und Partnerschaften werden auf diversen europäischen Veranstaltungen im Modesektor, vorwiegend mit dem Thema Nachhaltigkeit als wesentlichen Erfolgsfaktor, geknüpft, was den portugiesischen Herstellern langfristig bei ihrer Entwicklung und Anerkennung helfen wird.

Außerdem ist die Einführung eines Labels in Planung, das als Produktursprungs-Zertifikat fungieren soll. Sodass es die Qualitäts-Zertifizierung der Textilproduktion in Portugal fördert und die portugiesischen Modeprodukte auf dem Weltmarkt auszeichnet. Der Verbraucher könnte somit den Ursprung der Erzeugnisse genau bestimmen. Generell soll die portugiesische Mode im Paradigma der Nachhaltigkeit so positioniert werden, dass zum einen neue Märkte, in denen das Thema sehr relevant ist, erschlossen werden und zum anderen jene Märkte zu konsolidieren, in denen sie bereits präsent ist. 

Unterschiede zur Textilproduktion in anderen Ländern

Statt auf Quantität konzentriert sich die Textilproduktion in Portugal auf Qualität, Kreativität und Innovationen, sowie Logistik und eine schnelle Anpassungsfähigkeit. Dadurch finden Familienbetriebe immer häufiger einen neuen Weg für ihre traditionellen Betriebe. Als Hauptgrund für das stetige Wachstum der hiesigen Produktion gilt vor allen Dingen die langjährige Erfahrung in Produktion von fairer Kleidung und den dazugehörigen Prozessen, wie Spinnerei, Weberei und Stoff-Recycling, sowie der Fakt, dass viele dieser Produktionsstätten zertifiziert sind. Zudem ist die notwendige Infrastruktur vorhanden, welche es ermöglicht unterschiedlichste Produktionsschritten mit nur kleinen Transportwegen miteinander zu verbinden. 

Für europäische Brands zählt der außerdem die Lage Portugals, welche sowohl für die Markenkommunikation als auch aus ökologischen Gründen von Vorteil ist. Neben dem Produktionsort hängt Nachhaltigkeit von den Materialien, Emissionen, Arbeitsbedingungen und der Pflege der Kleidung ab. Weltweit werden in der Regel höchstens annähernd Mindestlöhne in der Produktion gezahlt, das heißt für Länder mit niedrigen Standards ergibt sich ein hohes Risiko für extreme Armut. Außerdem setzt Portugal einen Mindestlohn von 740 EUR pro Monat und zahlt in der Regel 14 Monatsgehälter.

Brands die in Portugal produzieren

Die positiven Assoziationen mit Portugal als Herstellungsort spiegeln sich zudem immer mehr in bekannten Marken wieder. Denn heute produzieren nachhaltig gebrandete Labels vorwiegend in portugiesischen Einrichtungen.

Bereits seit 12 Jahren bereichert Recolution aus Hamburg den Markt als Vorreiter durch ihre minimalistischen, stilvollen Designs, welche vorwiegend in Portugal produziert werden.

Die Schweizer Apparel Brand Lamarel, hat sich gegen die klassischen Idee von regelmäßig wechselnden Kollektionen entschieden und entwirft hingegen sehr stilvolle, klassische Basics.

Ebenfalls stilvolle Basics kann Skandinavien! Die Marke Organic Basics aus Kopenhagen prägt im nachhaltigen Bereich den europäischen Markt durch coole Sport- und Unterwäsche-Sets.

Seit 2019 fertigt das familiengeführten Label Guaja Studio zeitlose Stücke und ist zudem in Portugal heimisch.

Auch im High-Fashion Bereich machen es Brands wie attire the studio vor, ebenfalls auf Nachhaltigkeit und vor allem faire, transparente Lieferketten zu setzen.

Etwas farbenfroher jedoch ist Mustique Clubhouse aus Lissabon. Das von zwei Schulfreunden gegründete Label setzt seither auf simple Schnitte und verspielte Muster.

Dir hat dieser Beitrag gefallen?

Hier gehts zu weiteren spannenden Themen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll to top